Energie- und Klimakonzept NRW im Mai 2008
der Link zum PDF-Dokument:
http://www.wirtschaft.nrw.de/zAblage_PDFs/Energie-_und_Klimaschutzstrategie_Nordrhein-Westfalen_29-04-08.pdf
>>der BUND dazu: „Heiße Luft und Schönrechnerei“
Düsseldorf, 30.04.2008
Mit heftiger Kritik reagierte der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf die heute vorgestellte Energie- und Klimaschutzstrategie der Landesregierung. Das Konzept beinhalte neben einigen positiven Ansätzen vor allem viel heiße Luft. Insbesondere der darin vorgesehene Neubau von 12 Kohlekraftwerken könne nur durch massive Schönrechnerei als zentraler Beitrag für den Klimaschutz ausgegeben werden.
Paul Kröfges, BUND-Landesvorsitzender: „Wer weiter auf den Klimakiller Kohle in zentralen Großkraftwerken und die Atomenergie als vermeintliche Brückentechnologie für eine effizienten Klimaschutz setzt, hat die Zeichen der Zeit noch immer nicht erkannt.“ Positiv bewertet der BUND, dass die Landesregierung entgegen der bisherigen Strategie endlich eine Zielmarke zur beabsichtigten CO2-Reduktion benannt habe. Daran werde sie sich fortan messen lassen müssen. Zwar bliebe die Landesregierung mit einer angestrebten CO2-Reduktion gegenüber dem Basisjahr 1990 von rund 33% hinter dem 40%-Ziel der Bundesregierung zurück, angesichts der bisherigen, nicht erkennbaren Klimaschutzpolitik seien gewisse Fortschritte aber unverkennbar.
Nach dem Konzept der Landesregierung kommt der Erneuerung des Kraftwerksparks eine zentrale Rolle zu. Der Bau von 16 neuen Kraftwerken, davon allein 12 auf Kohlebasis, soll dabei zu einer CO2-Reduktion von 30 Millionen Tonnen jährlich führen. „Diese leicht durchschaubare Schönrechnerei ist unseriös und unverantwortlich. Mit dem Neubau von Kohlekraftwerken bleiben alle hehren Klimaschutzziele unerreichbar“, kritisiert BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen. Nach BUND-Berechnungen würden allein die derzeit konkret geplanten oder in Bau befindlichen Kohlekraftwerke zu einer jährlichen Erhöhung des Kohlendioxidausstoßes von etwa 25 Millionen Tonnen führen. Die Landesregierung unterstelle hingegen wider besseren Wissens die unverzügliche Stilllegung von Altanlagen und eine gleich bleibende Stromproduktion. Dagegen setzten die Kraftwerksbetreiber auf den höchst lukrativen Weiterbetrieb der längst abgeschriebenen Altanlagen und eine höhere Stromproduktion bei gleichem Brennstoffeinsatz.
Im unveränderten Festhalten der Landesregierung am „Klimakiller Nr.1 Braunkohle“ sieht der BUND einen „klimaschutzpolitischen Offenbarungseid“. Neben dem im Bau befindlichen Braunkohlenkraftwerk Neurath beinhaltet die Energie- und Klimaschutzstrategie der Landesregierung den Neubau von zwei weiteren Braunkohlegroßkraftwerken (BoA-Blöcke 4/5 und 6/7). Damit aber würde die klimaschädliche Braunkohlenutzung bis weit über die Mitte dieses Jahrhunderts festgeschrieben.
>> die Beurteilung der Grünen im Landtag dazu :
Verantwortlich: Rudolf Schumacher (Pressesprecher)
Bündnis 90/Die Grünen im Landtag NRW
Düsseldorf, 30. April 2008
Dipl.-Ing. Reiner Priggen MdL
Stellv. Fraktionsvorsitzender und Sprecher für Klimaschutz und Energie
Die „Energie- und Klimaschutzstrategie“ der NRW-Landesregierung –
der untaugliche Versuch, Klimaschutzpolitik zu simulieren
Zusammenfassende Bewertung:
• Die Landesregierung legt endlich eine Zielmarke vor, mit der man sich
auseinandersetzen kann.
• Die konkreten CO2 Minderungsmaßnahmen, mit denen die Landesregierung diese Ziele
erreichen will und auch die Werkzeuge zur Zielerreichung fehlen.
• Die Annahmen zur CO2 Reduktion durch die Kraftwerksneubauten sind eher lächerlich
als realistisch. Der Appell an die Unternehmen "Die Kraftwerksbetreiber müssen ihrer
Verantwortung zur Abschaltung ineffizienter Kraftwerke nachkommen" (Seite 45-
Klimaschutzstrategie Landesregierung) ist für eine Regierung, die handeln und
ordnungspolitische Vorgaben machen sollte, fast schon skurril zu nennen. Die
Bundesregierung setzt als CO2-Einsparbeitrag aus dem Kraftwerkserneuerungsprogramm
für ganz Deutschland 15 Mio. Tonnen bis 2020 an. (Quelle: Das integrierte Energie- und
Klimaprogramm der Bundesregierung, BMU Dezember 2007) Die Landesregierung alleine
für NRW 30 Mio. Tonnen.
• Bei der Energieeinsparung ist das Ziel sehr hoch, aber wegen der fehlenden konkreten
Maßnahmen in der Umsetzung wird es deutlich verfehlt werden.
• Der Ausbau der Kraft-Wärme gekoppelten Stromerzeugung ist der große Verlierer der
Klimaschutzstrategie der Landesregierung. Obwohl hier die größten Potenziale NRWs
liegen, opfert die Landesregierung diese Möglichkeiten, um den weiteren Ausbau der
Energie verschwendenden reinen Kondensationskraftwerke zu ermöglichen.
• Der Ausbau der erneuerbaren Energien bleibt weit unter den Möglichkeiten und
Notwendigkeiten.
• Wie die ambitionierte Verdreifachung der Gebäudesanierung im Bereich der
Bestandsgebäude erreicht werden soll, wird nicht gesagt.
• Im Verkehrsbereich findet in NRW keine Klimaschutzpolitik statt.
Presseinfo
Endlich ein Ziel, aber keine Maßnahmen, um es zu erreichen
Drei Jahre nach ihrem Amtsantritt hat die Landesregierung nun endlich ein Klimaschutzziel
für NRW beschlossen. Besser spät als nie. Die Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2020 um 81
Mio. t gegenüber 2005 bzw. um 98 Mio. t gegenüber dem Basisjahr 1990 – das entspricht einer
Reduzierung um 33% – ist angesichts der bisherigen Reduktionsleistung NRWs (- 5 % CO2
Reduktion von 1990 bis 2005) ambitioniert.
Mit der Benennung dieses Ziels ist die Landesregierung von ihrer bisherigen Linie abgewichen,
kein eigenes Klimaschutzziel für NRW zu formulieren. Noch vor Jahresfrist musste der
Umweltminister, der öffentlich eine 30%ige CO2-Reduzierung für NRW als Klimaschutzziel ins
Gespräch gebracht hatte, seine Position auf Druck seiner Kabinettskollegen revidieren.
Doch die Benennung eines Ziels alleine ist noch kein Beitrag zum Klimaschutz. Es braucht
konkrete Maßnahmen, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Aber da ist das Papier der
Landesregierung mehr als dünn. Darüber können auch fünfzig beschriebene Seiten nicht
hinwegtäuschen.
Das, was die Landesregierung nun vorgelegt hat, wird den Herausforderungen des
Klimaschutzes nicht im Ansatz gerecht. Mit einem ambitionierten Ziel soll Scheinaktivität in
Sachen Klimaschutz suggeriert werden, um vom bisherigen Versagen abzulenken.
Neue Kohlekraftwerke ohne alte Anlagen abzuschalten
Zentral für den Klimaschutz in NRW ist der Kraftwerksbereich. Etwa 60 % aller CO2-Emissionen
in NRW entfallen auf die Stromerzeugung. Deshalb will die Landesregierung hier 30 Mio. t
einsparen (d. h. über zehn Prozent der Emissionen NRWs). Dies soll durch den Neubau von
(Kohle-)Kraftwerken erfolgen. Die Landesregierung setzt dabei darauf, dass die Betreiber für
neue Anlagen alte Kraftwerke im gleichen Umfang abschalten. Wie sie das erreichen will,
bleibt völlig unklar.
Das Beispiel RWE im rheinischen Braunkohlerevier zeigt, dass selbst schriftliche Zusagen zur
Abschaltung alter Anlagen nicht eingehalten werden. In ihrem Papier gibt die Landesregierung
nur an, mit den Kraftwerksbetreibern „Gespräche“ führen zu wollen. Zu welchen Ergebnissen
diese dann offensichtlich führen, zeigt sich an den beiden inzwischen im Bau befindlichen
Steinkohlekraftwerken in Datteln (E.on, 1000 MW) und Hamm (RWE, 1.600 MW). Diese hat die
Landesregierung genehmigt, ohne von den Betreibern die Stilllegung von Altanlagen im
gleichen Umfang zu verlangen.
30 Mio. Tonnen Emissionsminderung durch Kraftwerksneubau – eine unseriöse
Zahl
Aber auch die Höhe der von der Landesregierung eingeplanten Einsparungen im
Kraftwerksbereich (30 Mio. t) erscheint höchst fragwürdig. Die Bundesregierung geht in der
Regierungserklärung vom 26.04.07 für ganz Deutschland von einer CO2-Reduzierung um 30
Mio. t durch die Kraftwerkserneuerung aus. Das Bundesumweltministerium beziffert im
Dezember 2007 den Reduktionsbetrag der Kraftwerkserneuerung anlässlich der
Kabinettbeschlüsse zum Integrierenten Energie- und Klimaprogramm (IEKP) der
Bundesregierung bis 2020 für ganz Deutschland auf nur 15 Mio. t. Die NRW-CDULandtagsfraktion
errechnet in ihrem kürzlich vorgelegten Papier zur Energie- und Klimapolitik
nur eine CO2-Einsparung von 12,4 Mio. t bis 2020 in NRW.
Damit steht der Hauptbeitrag des Klimaschutzziels der Landesregierung (30 von 81 Mio. t) auf
sehr tönernen Füßen. Angesichts der bisherigen Entwicklung – Neubau von Kohlekraftwerken
und Weiterbetrieb der Altanlagen – ist real damit zu rechnen, dass der Kraftwerkssektor bis
2020 höhere Emissionen als heute ausstoßen wird.
Landesregierung will Emissionsrechte weiterhin verschenken
Die Landesregierung stellt im Gegensatz zur EU-Kommission und der Bundesregierung die
Forderung, ab 2013 die Emissionsrechte weiterhin über brennstoffspezifische Benchmarks
zuzuteilen statt zu versteigern. Das würde die Kohle bei der Stromerzeugung weiterhin
einseitig bevorzugen, den bestehenden Kraftwerkspark auf Kosten des Ausbaus der Kraft-
Wärme-gekoppelten Stromerzeugung KWK zementieren. Und damit dem Klimaschutz
zuwiderlaufen. Bei einen Zertifikatepreis von 20 Euro je Tonne CO2 wäre das zum wiederholten
Mal ein Geschenk von über 8 Mrd. Euro für die deutschen und 4 Mrd. Euro für die
Energieversorger in NRW.
Beschlüsse der Bundesregierung einfach auf NRW heruntergerechnet
36 Mio. Tonnen CO2 – knapp die Hälfte ihres Einsparziels – erreicht die Landesregierung auf
dem Papier einfach dadurch, dass sie die „bundesweit wirkenden Maßnahmen der
Bundesregierung durch Umsetzung der Meseberger Beschlüsse“ auf NRW herunter bricht. In
welchen Bereichen diese Beiträge geleistet werden sollen, was der spezielle Beitrag der
Landesregierung dazu ist, wird nicht benannt. Eigene Beiträge und flankierende Maßnahmen,
z. B. im Verkehrssektor sucht man vergebens. So einfach kann Klimaschutzpolitik, frei nach
dem biblischen Motto „sie sähen nicht, aber ernten wollen sie dennoch“, sein.
Eigene NRW-Maßnahmen – kaum mehr als eine mit Lyrik garnierte Auflistung
von Beratungsinitiativen
15 Mio. Tonnen CO2-Einsparung sollen eigene NRW-Maßnahmen erbringen. Diesem Ziel folgt im
Papier der Landesregierung zwar eine umfangreiche Auflistung vieler Einzelmaßnahmen; es
bleibt jedoch völlig schleierhaft, wie diese Maßnahmen in der Summe eine jährliche CO2-
Einsparung von 15 Mio. t erbringen sollen. Überwiegend handelt es sich nämlich um die
Auflistung größtenteils vorhandener Beratungsinitiativen und Modellprojekte. Neue
Förderschwerpunkte oder gesetzliche Initiativen mit dem Ziel der CO2-Einsparung finden sich
dagegen kaum.
20% Energieverbrauchsenkung nur durch Beratung ist höchst unseriös
Bis 2020 soll der Energieverbrauch in allen Sektoren um 20% gesenkt werden. Das ist sehr
ambitioniert und geht weit über die Ziele der Bundesregierung hinaus. Erreichen will die
Landesregierung dieses Ziel vor allem mit den Beratungsaktivitäten der Energieagentur, deren
Mittel sie in der Vergangenheit gekürzt hat. Ohne Zweifel leistet die Energieagentur eine
wichtige und gute Arbeit, aber es wird ein Vielfaches mehr an konkreten Maßnahmen zur
Erreichung einer Verbrauchsreduzierung um 20% bedürfen.
Keine Ziele und Maßnahmen zum Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung
Der wichtigste Ansatzpunkt bei der Umstellung der bisherigen Energieverschwendung in
reinen Kondensationskraftwerken ist die Umstellung des Kraftwerksparks auf Kraft-Wärmegekoppelte
Anlagen. Die gleichzeitige Nutzung von fossilen Brennstoffen zur Strom- und zur
Wärmeversorgung ist auch vor dem Hintergrund weiter steigender Importpreise für
Primärenergieträger dringend notwendig. NRW liegt derzeit in seinem Anteil an KWK (11 %)
unter dem Bundesdurchschnitt. Angesichts seiner hohen Bevölkerungs- und Industriedichte
hat NRW gerade in diesem Bereich deutlich überdurchschnittliche Potenziale gegenüber
anderen Bundesländern. Nicht einmal zu einer Unterstützung des Ziels der Bundesregierung,
die Stromerzeugung in KWK bis 2020 auf 25% auszubauen, kann sich die Landesregierung
aufraffen. Da wirkt es fast schon hilflos, wenn die Landesregierung drei Jahre nach ihrem
Amtsantritt eine Potenzialstudie zur KWK in Auftrag geben will.
Zwar will die Landesregierung den KWK-Ausbau zukünftig auch landesseitig stärker fördern,
wie und in welchem Umfang bleibt aber unklar. Die Landesregierung äußert sich auch nicht zu
dem offensichtlichen Widerspruch, den Bestand an Kohle-Kondensationskraftwerken
beizubehalten und durch Neubau zu erweitern, gleichzeitig aber die KWK ausbauen zu wollen.
Faktisch werden die Zubauten an reinen Kondensationskraftwerken den dringend notwendigen
KWK-Ausbau verhindern.
Jährliche Sanierung von 3% des Altbaubestandes – ja – aber wie?
Die Landesregierung bekräftigt ihr sehr ambitioniertes und richtiges Ziel, die energetische
Sanierungsquote des Altbaubestandes auf 3% jährlich zu erhöhen. Wie dieses Ziel erreicht
werden soll, bleibt völlig unklar. Als konkrete Maßnahmen werden nur Beratungsinitiativen,
Netzwerke und zwei Modellprojekte genannt. Das wird nicht im Ansatz zu der erforderlichen
Sanierungsquote führen, die derzeit – anders als es die Landesregierung darstellt – nicht
einmal bei 1% liegt.
Fachleute sind sich einig, dass eine 3%ige Sanierungsquote nur durch massive Förderung, z. B.
in Form von zinsgünstigen Kreditprogrammen und besonderen Abschreibungsmöglichkeiten,
erreicht werden kann. Positiv ist die Unterstützung der Landesregierung für den Bund
hinsichtlich des Austauschs der mehr als 440 000 Nachtspeicheröfen in NRW. Die
Landesregierung ist selbst aber nur bereit, ein Modellprojekt dazu durchzuführen. Das ist viel
zu wenig! Außerdem sucht man die Forderung nach einem Verbot der Neuinstallation von
Nachtspeicheröfen vergeblich.
Ausbauziele der Erneuerbare Energien – sehr bescheiden
Wie üblich findet sich in den Papier die unsinnige Aussage, dass NRW über schlechtere
Bedingungen für Erneuerbare Energien verfügt als andere Bundesländer.
Nach den Vorstellungen der Landesregierung soll die regenerative Wärmeerzeugung
vervierfacht und die regenerative Stromerzeugung in den nächsten zwölf Jahren etwas mehr
als verdoppelt werden. Nach diesen Zielvorgaben wird der Anteil der Erneuerbaren weit unter
dem für 2020 avisierten Anteil im Bund (mind. 27% gegenüber 14% heute) liegen.
Aussagen darüber, wie welche Erneuerbaren Energien ausgebaut werden sollen, sucht man in
dem Konzept vergeblich. Das gipfelt bei der Windkraft im dem Satz, der an Unkonkretem nicht
zu überbieten ist: „Die Landesregierung hält in NRW vor diesem Hintergrund eine Steigerung
der Stromerzeugung aus Windenergie bis 2020 für möglich, ohne dass die berechtigten
Schutzinteressen der Bürger verletzt werden.“ Aussagen zum notwenigen Abbau der
planerischen Restriktionen für Windkraft (z. B. Höhenbeschränkungen) einschließlich der
Ankündigung nach einer Änderung des Windkrafterlasses finden sich natürlich nicht – hier
wird auch gegenüber den Konzeptentwürfen die Bremsspur des Koalitionspartners deutlich.
Klimaschutz in der Verkehrspolitik – kein Thema für die Landesregierung
Die Ausführungen zu Mobilität sind nur allgemeiner Art und ziehen keine relevanten
Handlungsnotwendigkeiten für den Klimaschutz für die Landesregierung nach sich. Integrierte
Verkehrsplanung, z. B. Verlagerung von Verkehren auf die Schiene und der Ausbau des ÖPNV,
erwähnt die Landesregierung in diesem Kapitel nicht einmal. Sie handelt ja auch nicht
dementsprechend.
Beinahe skurril im Kontext Klimaschutz ist die Feststellung der Landesregierung, dass auch
Kohle zur Herstellung von Benzin und Diesel geeignet ist. Plant die Landesregierung
diesbezügliche Projekte? Verflüssigte Kohle als Fahrzeugtreibstoff würde die Klimabilanz des
Verkehrs dramatisch verschlechtern.
Viel Lyrik ohne Relevanz für den Klimaschutz
Das Papier enthält darüber hinaus seitenlange Ausführungen über
Kohlekraftwerkstechnologien (z. B. auch zu CO2-Abscheidung und –Lagerung - CCS),
Wasserstoff u. a.. Unabhängig von der Einschätzung über die Sinnhaftigkeit einzelner Projekte
und Maßnahmen entfalten diese entweder keine oder nur eine geringe Klimaschutzwirkung
bzw. die Technologie steht wenn überhaupt erst nach 2020 zur Verfügung (z. B. CCS). Damit
ist die Relevanz dieser Themen für aktuelle Anforderungen an den Klimaschutz nicht gegeben.
Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Text hier aufgefüllt wurde, um die Dürftigkeit der
konkreten Maßnahmen bis 2020 zu überdecken.
Die obligatorische Forderung nach einer Laufzeitverlängerung für AKW
Zum Schluss darf im Papier der Landesregierung natürlich ein Absatz über die Atomkraft nicht
fehlen, in dem die Verlängerung von AKW-Laufzeiten gefordert wird. Welchen Beitrag eine
solche Maßnahme für den Klimaschutz in NRW erbringen soll, bleibt schleierhaft. Die
Forderung nach mehr Atomforschung und den Beitritt Deutschland zum „Generation IV
International Form“ sind weitere Gehversuche hin zu einer Renaissance der Atomkraft auch in
NRW.