Verkleinern und höher anlegen: Klimagerechte Reisfelder

Herkömmlicher Reisanbau belastet das Klima ähnlich stark wie das Verbrennen fossiler Brennstoffe. Eine Änderung der Anbaumethoden ist aber besonders in Entwicklungsländern schwierig.

Rauchende Kohlekraftwerke und stinkende Diesel-Busse als Mitverursacher der globalen Erwärmung, das leuchtet ein. Weniger, dass auch die beschaulichen Reisfelder in Thailand zur Aufheizung der Erde beitragen.

Dabei ist der Reisanbau nach Schätzungen des Weltklimarats (IPCC) einer der Hauptgründe für steigende Emissionen von Methan - das als Treibhausgas 21-mal wirkungsvoller ist als Kohlendioxid und nur deshalb als Nummer zwei unter den Klimagasen aufgeführt wird, weil es in der Atmosphäre in viel kleineren Mengen vorkommt.

Emissionen um die Hälfte reduzieren

Keine Kulturpflanze sondere so viel Methan ab wie Reis, sagt Reiner Wassmann von Internationalen Reisforschungsinstitut auf den Philippinen. «Wenn asiatische Länder Möglichkeiten zur Reduzierung von Treibhausgasen sondieren, müssen sie auf die Reisproduktion schauen», erklärt Wassmann. Verbesserungen beim Reisanbau und Veränderungen bei der Nutztierhaltung könnten nach Angaben des IPCC die durch die Landwirtschaft verursachten Methan-Emissionen um 15 bis 56 Prozent reduzieren.

Viele Länder in Asien dürften mit Reformen beim Reisanbau weniger Probleme haben als mit anderen Empfehlungen des Weltklimarats wie dem Verzicht auf Energiegewinnung durch Kohle und der Umstellung auf vergleichsweise teure Solarzellen - da sind sich Experten sicher. Nach Angaben des UN-Umweltprogramms (Unep) macht Kohlendioxid 70 Prozent der Treibhausgase aus, Methan inzwischen 23 Prozent. Seit der industriellen Revolution habe sich die Menge in der Atmosphäre verdoppelt, heißt es in einer im Jahr 2006 veröffentlichten Studie der University of California.

Verkleinerte Felder

In den vergangenen Jahren blieb der Wert der Methan-Emissionen weitgehend gleich, einigen Wissenschaftlern zufolge aufgrund geänderter Produktionsmethoden beim Reisanbau. Eine US-Studie der Portland State University führte die Stabilisierung des Methangas-Ausstoßes 2005 auf Veränderungen in der chinesischen Landwirtschaft zurück: China produziert ein Drittel der weltweiten Reisernte und hat seine Felder in den vergangenen zehn Jahren deutlich verkleinert. Außerdem wurden der Untersuchung zufolge statt Mist Kunstdünger eingesetzt und die Felder weniger bewässert.

Trotz dieser Entwicklungen rechnet die US-Umweltbehörde (EPA) mit einem Anstieg der Methan-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 16 Prozent gegenüber dem Jahr 2005. Nur wenige Länder seien dem Beispiel Chinas gefolgt und lehnen vielmehr eine vorübergehende Trockenlegung der Felder oder einen Umzug in höhere Lagen ab, wo weniger bewässert werden müsste, heißt es bei Experten zur Begründung. Solche Lösungen seien für arme Länder eine große Herausforderung.

Klimaschutz vs. Familienernährung

«In Entwicklungsländern muss man zuallererst an die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln denken», sagt Pete Smith von der University of Aberdeen, der an einem IPCC-Bericht mitgearbeitet hat. «Man kann nicht über Entschärfung beim Klima nachdenken, wenn man seine Familie ernähren muss», betont der Wissenschaftler und verweist auf seiner Ansicht nach dringend notwendige finanzielle Anreize vor allem für Kleinbauern: «So etwas muss in den ärmeren Ländern Hand in Hand mit einer Verringerung der Armut gehen.»

In Thailand, das weltgrößter Reis-Exporteur ist, zeigt man sich um Verbesserungen bemüht. Viele Reishersteller außerhalb der Hauptstadt Bangkok verbrennen die übrig gebliebenen Spelzen und gewinnen daraus Energie. «Statt sie (die Spelzen) auf den Feldern verrotten und schlechte Gase bilden zu lassen, verbrennen und nutzen wir sie», erklärt Rut Subniran von der Patum-Reisfabrik. «Das ist gut für das Land, weil es unsere Ölimporte reduzieren kann. Es ist gut für die Umwelt.»

Nur wenige Kilometer entfernt haben die Bauern dagegen weitgehend einen Aufruf der Regierung ignoriert, ihre Felder periodisch zu entwässern und auf die unkontrollierte Verbrennung von Reisstroh aus der letzten Ernte zu verzichten. Sollten die Bauern ihr Verhalten ändern, könnte Thailand nach Angaben der EPA seine Methan-Emission bis 2020 um jährlich bis zu einem Drittel senken. «Aber etwa 70 Prozent der Bauern hier wollen keine Veränderungen», sagt Adisak Wantayachiwa. (Michael Casey, AP)

Quelle: http://www.netzeitung.de/spezial/klimawandel/730711.html

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