Die Schöpfung bewahren
Klimaschutz für Rheine
global denken - lokal handeln
Eine Initiative von Bündnis 90/Die Grünen, CDU und FDP im Rat der Stadt Rheine
I. Grundlagen
Der Klimaschutz und damit verbunden die Aufgabe, die Erde vor dem drohenden
Klimakollaps zu bewahren, ist die wohl drängendste Aufgabe jetzt und in den
kommenden Jahrzehnten. Es ist allerhöchste Zeit zu handeln.
Der seit der industriellen Revolution immer höhere Ausstoß von CO2 und
anderen Treibhausgasen ist eine Belastung mit zeitversetzter Wirkung.
Wetterextreme werden zunehmen. Das Schmelzen des Grönland-Eises wird zu
einem rasanten Anstieg des Meeresspiegels führen, der die küstennahen
Regionen bedroht.
Was die wenigsten Menschen wissen oder was ihnen nur unzureichend
vermittelt wird: Der heute wissenschaftlich nachgewiesenen Veränderung des
Klimas liegt eine Treibhausgas-belastung zugrunde, die vor rund 20 Jahren
verursacht wurde. Die Treibhausgase, die wir heute verursachen, zeigen ihre
klimaschädliche Wirkung somit zeitverzögert um 2030.
Vor dem Hintergrund dieser Zeiträume ist eine Kollision mit den
herkömmlichen Ansprüchen politischen Handelns und der politischen Systeme,
die überwiegend Erfolge in 4- oder 5-Jahreszyklen vorweisen müssen,
unausweichlich. Die entscheidende Frage lautet:
- Ist der Mensch intelligent genug, diese Zeitdimension zu erfassen,
- damit er die notwendigen Schritte geht, die zu einer deutlichen
- Reduktion der Treibhausgasbelastung in der Atmosphäre führen?
Die vor uns liegende Aufgabe ist gigantisch, bedeutet doch die Abkehr von
fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Energien einen kompletten Umbau
der Verkehrs- und Energiesysteme. Es gibt allerdings keine Alternative zu
diesem Umbau. Die Natur lässt nichts anderes zu. Hier ist auch die Frage
nach der Generationengerechtigkeit zu stellen:
- Darf unsere Generation den nachfolgenden Generationen die klimatischen
- Ewigkeitskosten aufbürden?
Unsere Antwort auf diese Frage ist ein klares Nein.
Auf dieser Grundlage setzen wir uns folgende Ziele:
- Vor dem Hintergrund einer sich dramatisch verschärfenden
- Klimasituation und des anstehenden Niedergangs der fossilen Ressourcen sind unsere Vision und unser langfristiges Ziel
- ein Umbau der Systeme hin zu "100% Erneuerbare Energien".
- Die unterzeichnenden Fraktionen stellen sich der Aufgabe, Rheine zur
- "Zukunftsfähigen Stadt" umzubauen. Die Stadtwerke ermöglichen uns hierbei weitgehende Handlungsmöglichkeiten. Vor dem Hintergrund sich abzeichnender großer Veränderungen in der Energieversorgung gilt für B 90/Die Grünen, CDU und FDP:
- Die Stadtwerke müssen auch in Zukunft stark sein. Wir wollen
- unsere Stadtwerke ausbauen zum Kommunalen Kompetenzzentrum wirtschaftlicher Betätigung mit ökologischer Ausrichtung.
Aus diesen Globalzielen ergeben sich im 2. Teil dieses Grundsatzpapieres
zum Klimaschutz konkrete Handlungsschritte für und in Rheine. Wir richten
den Blick auf die Chancen, die ein Umsteuern bietet.
Die Umwelttechnik mit den Säulen "Erneuerbare Energien" und
"Energieeffizienz" wird bereits in Kürze zur deutschen Leitindustrie. Wir
wollen uns kraftvoll an dieser Entwicklung beteiligen und sehen hier große
Chancen für die Wirtschaft in unserer Region.
Im dritten Abschnitt sind die Eckpunkte unserer Klimaschutzkampagne
benannt. Wir wollen auf unserem Weg der Umsetzung unseres
Klimaschutzkonzeptes möglichst viele Menschen mitnehmen.
II. Handlungsschritte
Gemeinsam stellen sich die Fraktionen von CDU, FDP und B 90/ Die Grünen der
Verantwortung und werden folgende Punkte möglichst zeitnah umsetzen:
- In das Entwicklungs- und Handlungskonzept Rheine 2020 soll ein
- zentrales Leitprojekt zum kommunalen Klimaschutz in Rheine eingebracht werden. Die folgenden Handlungsschritte sollen u.a. Bestandteil dieses Leitprojektes werden.
- Die derzeit in Vorüberlegungen bzw. Planungen befindlichen Biomasse-
- Projekte sollen durch die EWG mit höchster Priorität begleitet werden. Das Geschäftsfeld der "Erneuerbaren Energien soll einen Schwerpunkt in der EWG bilden. Die Landwirtschaft ist hierbei eng einzubeziehen. Konkrete Maßnahmen zur Effizienzsteigerung bzw. zum Umbau des kommunalen Wärmemarktes werden zeitnah in einem "Fachbeirat für Erneuerbare Energien" bearbeitet. Dieser Fachbeirat wird dem Aufsichtsrat der EWG zugeordnet und personell durch einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin in der EWG unterstützt. Mitglieder des Fachbeirates sind Vertreter von Unternehmen und Beratungsbüros, den Stadtwerken, der Landwirtschaft und der Politik. Konkrete Umsetzungen sind ggfs. auch abhängig von der Bundesgesetzgebung. Hier sind voraussichtlich in Kürze Beschlüsse zu erwarten. Der Fachbeirat wird den kommunalen Handlungsrahmen abstecken. Der Handlungsrahmen soll zeitnah, spätestens zum Sommer 2008 vorliegen
- Energieberatung: Steigende Energiekosten beschäftigen die Bürgerinnen
- und Bürger. Daher soll die Energieberatung ein Schwerpunkt der Stadtwerke werden. Die Geschäftsräume der Stadtwerke am Borneplatz sollen zum "Energieberatungszentrum für Energieeffizienz und erneuerbare Energien" umgenutzt werden. Ergänzt werden soll die Energieberatung durch eine gesonderte Klimaschutzkampagne. Diese Kampagne soll begleitet und koordiniert werden durch die EWG und das TAT. Nähere Ausführungen zur Kampagne finden sich unter III.
- Der Gebäudebestand der Stadt wird beschleunigt energetisch saniert.
- Der Einsatz von erneuerbaren Energieträgern hat neben effizienzsteigernden Maßnahmen Priorität vor anderen Maßnahmen. Dieses führt zu Kosteneinsparungen und zu Entlastungen des kommunalen Haushalts. In den kommenden Jahren werden über die Instandhaltungsrückstellung erhebliche Mittel investiert werden müssen. Insbesondere bei der energetischen Sanierung der Schulen wird geprüft, ob Projekte eines Energiecontracting durchgeführt werden. Ein solches Contracting wird dann von den Stadtwerken fachlich begleitet. Ein neu zu bildender "projektbegleitender Ratsausschuss" soll u.a. Maßnahmen der energetischen Gebäudesanierung begleiten und eine Controllingfunktion für städtische Projekte übernehmen.
- Umstieg für städtische Gebäude auf Ökostrom: Zum 1. Januar 2008 wird
- die Stadt Rheine 20 % ihres Strombedarfs aus dem neuen Ökostromangebot der Stadtwerke beziehen. Der Strombedarf der Straßenbeleuchtung und der Strombedarf aus Einrichtungen der Gebührenhaushalte werden aus dem bisherigen Strommix gedeckt.
- Perspektivisch sollen alle im Eigentum der Stadt Rheine
befindlichen Gebäude mit Ökostrom versorgt werden. Dieses wird mit folgendem Modell erreicht: Die durch den Bezug von Ökostrom entstehenden Mehrkosten werden durch Mieteinnahmen aus den für Photovoltaikanlagen vermieteten Dächern der Stadt gegenfinanziert. Eine weitere Finanzierung der Mehrkosten ist durch Energieeinsparungen im städtischen Gebäudebestand möglich: Wird beispielsweise an einer Schule durch Sanierung der Heizung eine Einsparung von 6000 E erzielt, fließen 50% als Kosteneinsparung in den städtischen Haushalt. Aus den verbleibenden 3000 E wird in dieser Höhe der Ökostromanteil aufgestockt.
- Der Ratsbeschluss auf Verzicht der Erhebung einer Miete auf Nutzung
- der Dachfläche von städtischen Gebäuden wird aufgehoben. Künftig müssen alle Investoren von PV- Anlagen eine Dachmiete bezahlen.
- Die kommunalen Bebauungspläne und Gestaltungssatzungen sind auf die
- Umsetzung und Realisierung von Photovoltaikanlagen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten.
- Stadtwerke für Rheine - ein kommunales Kompetenzzentrum für
- erneuerbare Energien: a) Durchführung eines Solarprogramms (Photovoltaik) auf Dächern im
- Gebäudebestand der Stadt Rheine. Im Rahmen dieses Programms investieren die Stadtwerke Rheine rd. 2 Mio. E. In einem ersten Schritt werden noch in 2007 PV Großanlagen in der Größenordnung von 130 kW installiert. Dieses entspricht einem Investitionsvolumen von 500.000 E. Das gesamte Programm soll in spätestens 3 Jahren abgeschlossen sein.
b) In einem anschließenden Teil des Solarprogramms können Kleinanlagen - auf privaten Dächern (freiwillige Regelung mit Eigentümern) installiert werden. Auch hier treten die Stadtwerke als Investor auf. Im Rahmen dieses Programms investieren die Stadtwerke 500.000 E. Die Besitzer der so genutzten privaten Dachflächen erhalten mit ihrer Stromrechnung eine Verrechnung in Form einer Gutschrift für die Dachmiete.
c) Großinvestitionen im Geschäftsfeld Erneuerbare Energien z.B. in - Geothermie-Offshore-Windenergie- und/oder Biomasse-/Biogasprojekte. Diese Investitio-nen werden gemeinsam mit anderen Stadtwerken angestrebt. Die Projektstudie "TREE" wird durch die Politik unterstützt.
d) Prüfung, ob Investitionen in Kleinwasserkraftwerke in Rheine - möglich sind. Hierbei wird geprüft, ob eine Übernahme des Wasserkraftwerks an der Emsmühle mit anschließender Effizienzsteigerung möglich ist.
- Der motorisierte Individualverkehr ist einer der Verursacher für den
- klimaschädlichen CO2-Ausstoß. Wir werden in Rheine intensiv nach Alternativen suchen und diese weiter ausbauen.
- a) Die Radverkehrswege in Rheine müssen weiter ausgebaut und
- optimiert werden, dabei sind auch die Ampelschaltungen mit einzubeziehen.
b) Die "Blaue Flotte" soll im bisherigen Rahmen beibehalten werden. - Die ÖPNV- Vorrangschaltung der Ampeln darf hierbei nicht eingeschränkt werden. Eine Ausweitung des bisherigen Angebots soll erfolgen, wenn die Gegenfinanzierung gesichert ist.
c) Mit der Bahn sind Verhandlungen zu führen, damit die Bahnhöfe in - Rheine-Zentrum und Mesum schnellstens saniert werden. Durch diese Maßnahmen soll der Bahnverkehr eine Attraktivitätssteigerung erfahren.
d) Kreisverkehre sollen an den Stellen, wo es möglich ist, - Ampelschaltungen ersetzen. Die Effizienz der Ampelanlagen ist zu prüfen. Sanierungen von Altanlagen sind mit energiesparender LED- Technik auszuführen.
III. Kampagne
Klimaschutz gelingt nur gemeinsam - Rheine setzt auf Nachhaltigkeit
Wir regen eine über mehrere Jahre laufende Kampagne "Klimaschutz gelingt
nur gemeinsam - Rheine setzt auf Nachhaltigkeit" an.
1. Die Stadt Rheine soll durch Ratsbeschluss sich zu den Inhalten eines
- kommunalen Klimaschutzes bekennen und die Initiative ideell und finanziell stützen und fördern. Sie sollte sich dabei organisatorisch der Fachberatung durch EWG, TAT und Stadtwerke bedienen.
2. In der Initiative "Klimaschutz gelingt nur gemeinsam - Rheine lernt
- Nachhaltigkeit" soll es zu einer Vernetzung und letzthin zu einem Aktionsbündnis von Behörden, Institutionen, Verbänden, Schulen, Kindergärten, Vereinen, Kirchen und Gewerkschaften kommen.
3. Die Initiative sollte einen jährlichen "Rheiner Aktionsplan"
- organisieren und Veranstaltun-gen und Informationen zum kommunalen Klimaschutz anbieten. Beispielhaft sind hier mögliche Aktionsfelder genannt, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben: a) Klimaschutzpartnerschaften mit Schulen, Vereinen, Verbänden etc. b) Einrichtung einer Internetseite: www.Rheines-Klima.de c) Förder- und Finanzberatung durch Banken/Sparkassen d) Klimakiller privater Energieverbrauch (Energiespartipps bei Neubauten, Energiesparen
- durch Sanierung von Heizungen, Dächern, Wänden, neue
Energietechniken - was ist - wirtschaftlich und sinnvoll?)
e) Energiekosten senken - Tipps für den Hausgebrauch (heizen, lüften, spülen, Elektronik, Lampen, Wasser etc.) f) Klimakiller "Auto" - Verbrauch reduzieren - aber wie? Was sind die Autos der Zukunft - womit fahren? Haben Biokraftstoffe eine Zukunft?
4. Kampagne für ein Bürgersolarprojekt
5. Auslobung eines Klimaschutzpreises
Rheine, den 04.09.2007
Für die Fraktionen
- Bündnis 90/Die Grünen Michael Reiske, Fraktionssprecher FDP Alfred Holtel, Fraktionsvorsitzender CDU Josef Niehues, Fraktionsvorsitzender