FFF-Demo 25.3.2022 12 Uhr Gütersloh Rathaus
Rede von Felix Kupferschmidt
Seit unserer letzten Demo ist in der Welt Unfassbares passiert.
Und uns allen wird vor Augen geführt, wie untätig wir in der gleichen Zeit waren.
Wir haben fast nichts geändert. Oder besser: Wir haben gar nichts geändert.
Jetzt werden die Menschen in der Ukraine durch unser schmutziges Geld um ihre Existenzen gebracht und getötet.
Nun also ist Krieg und wir tanken jeden Tag, heizen jeden Tag. Wir betanken und beheizen den Krieg.
Ich beschränke mich mal auf den Verkehrssektor. Das ist mein Fachgebiet seit 35 Jahren.
Man schämt sich fast dafür, sich zu freuen dass sich die Leute jetzt Gedanken zum Energiesparen machen.
Oh jetzt habe ich etwas verwechselt. Es geht ja gar nicht ums Energiesparen!
Es geht nur darum, Putin kein Gas und Öl abzukaufen Von Uran spricht niemand…
Okay, darum geht es den Regierungen.
Die Idee dem Krieg Geld zu entziehen ist gut. Wir hätten sie nur dummerweise früher haben müssen. Den größten Teil unserer fossilen Energieträger beziehen wir von Staaten, in denen wir selber lieber nicht leben möchten.
- Die Lebensbedingungen - die politische Situation - die Meinungsfreiheit - die Sicherheit in diesen Staaten
entsprechen nicht unseren Gewohnheiten.
Wir sind es gewohnt, immer alles zu bekommen was wir uns gerade vorstellen. Zuvorderst Nahrung Wärme Mobilität Luxus. Das haben wir alles aufgebaut - aber leider nicht alleine, sondern mit zwielichten, globalen Geschäftsbeziehungen.
Alles bekannt.
Jetzt aber nochmal zurück:
Es geht also den Regierungen darum, Putin Geld zu entziehen.
Und worum geht es den Autofahrenden? - Dass die, die mit dem Bus fahren müssen, ruhig bleiben und 3 Monate das schlechte Angebot fast geschenkt bekommen. Anstatt für den bisherigen Preis das Angebot zu verbessern
Worum geht es den Autofahrenden? - Dass der Benzinpreis billig bleibt. Anstatt den Preis - der Klimakatastrophe angemessen - massiv zu erhöhen
Worum geht es den Autofahrenden? - Dass sie keine finanzielle Verantwortung für Krieg und Klimakatastrophe übernehmen. Anstatt wenigsten die Kosten zu tragen, die sie für diesen Planeten verursachen.
Worum geht es den Autofahrenden? - Dass sie weiterfahren können wie bisher. Anstatt sich selber einzuschränken im Angesicht des Unglücks ihrer Mitmenschen.
Worum geht es der Regierung? - Dass ein kleiner Prozentsatz von Rasern auf der Autobahn rasen kann. Anstatt ein sicheres und benzinsparendes Tempolimit von 100 Km/h einzuführen.
Es ist unglaublich: Das klimaschädliche Benzin wird so sehr mit meinem Geld subventioniert, dass es schon obszön ist.
Wir haben 2022 und der Regierung fällt ein, den Benzinpreis mit Steuergeldern billig zu machen.
Das heißt: • mit Steuergeldern direkt unsere Atmosphäre mit CO2 aufzuladen.
Das heißt: • mit Steuergeldern die Klimakatastrophe zu befördern.
Mein Eindruck ist, dass wir nach Jahren von idiotischen bayerischen Verkehrsministern jetzt einen „Spezialisten“ von der FDP bekommen haben.
Mir persönlich steht es schon bis hier, dass mit meinen Steuern Autobahnen statt Schienen gebaut werden. Und jetzt zahle ich auch noch das Benzin von meinem Nachbarn?
So ein bißchen habe ich jetzt immer von den Anderen gesprochen.
Was die Anderen machen sollen.
Kommen wir mal zu mir:
Mir persönlich fällt es extrem schwer auf das Auto zu verzichten:! Kennt ihr die Pointe?
Ich habe keines!
Mal zu euch Jungen:
Elterntaxi? Lehnt das ab. Ihr könnt selber zur Schule kommen.
Lehrer:innen mit dem Auto zur Schule. Jeden Tag? Lehnt das ab Ihr dürft Vorbilder erwarten.
Von der Party mit dem Auto abholen lassen? Lehnt das ab. Fahrt gemeinsam mit dem Fahrrad nach Hause.
Mit dem Flugzeug in den Urlaub? Lehnt das ab! Fahrt daheim los in den Urlaub. Gemeinsam. Gut gelaunt. Aber keine 1000Km weit weg.
Mit dem eigenen Auto in den Urlaub? Lehnt das ab!
Wo ist die Pointe?
Für die paar Urlaubsfahrten nimmt man nicht den kleinen Elektroflitzer, den eure Eltern noch haben, sondern leiht sich eine Familienkutsche aus.
Beim Thema Urlaub fällt mir Folgendes ein: Das Thema ist ja total emotional: „Ahhhh der will mir meinen Urlaub verbieten…“ Nein, alles was WIR jetzt noch verbrauchen, fehlt EUCH in den kommenden Jahrzehnten. Deshalb gilt: WENIGER
Es ist nicht verboten zu verbrauchen, sondern GEBOTEN, weniger zu verbrauchen.
Machen wir uns bewusst, dass wir den unglaublichen Verbrauch an Natur, den unsere Eltern und wir seit der Industrialisierung, haben, auf garkeinen Fall aufrechterhalten können.
Und hier kommt der Sinneswandel:
Wir müssen es auch nicht.
Wir können uns auch auf Kleines freuen:
Ich freue mich, wenn ich wenige Zentimeter große Orchideen im Teutoburger Wald entdecke. Sie sterben gerade aus.
Ich freue mich, wenn ich kleine summende Insekten sehe. Sie sterben gerade aus.
Ich freue mich, wenn ich frische Luft rieche. Sie wird weniger.
Ich freue mich, wenn ich nachts ohne Lichtverschmutzung viele Sterne sehe. Sie sterben nicht aus.
Aber wir sterben aus.
